Geschichte: Kontakte knüpfen

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In angeleiteten Auswahlverfahren mit Multiplikatoren aus dem Stadtteil und Verantwortlichen des Vereins Leben im Stadtteil e.V. wurden von den 30 Geschichten zwei ausgewählt, die die Veränderung in den letzten fünf Jahren in Bezug auf das Zusammenleben im Stadtteil am besten darstellen.

Die einzelnen Aspekte der Geschichten kann man als Puzzleteile oder Zahnräder beschreiben, die ineinander greifen. So kann aus vielen kleinen Situationen etwas Größeres entstehen und wachsen. Die positive Resonanz der Mitmenschen auf die Beteiligung ist der Anstoß für weiteres Engagement im Stadtteil/Netzwerk. Basis für das Miteinander und das Engagement im Stadtteil sind die Schutzräume, die der Verein den Menschen bietet.

Kontakte knüpfen

Nicht nur in den letzten fünf Jahren hat sich viel verändert. Im Grunde bricht der Zusammenhalt in der Nachbarschaft schon seit langer Zeit auseinander. Früher hat man sich nach Feierabend in der Dorfkneipe getroffen oder beim Nachbarn im Schrebergarten. „Sogar die ersten Kontakte für jahrelange Geschäftsbeziehungen wurden in der nun geschlossenen Dorfkneipe geknüpft“, erzählt Frank. Heute ist die Fluktuation in der Nachbarschaft unglaublich hoch. Man hat gar keine Zeit sich zu beschnuppern und sich kennenzulernen. „Das höchste der Gefühle ist ein ‘Hallo’ auf der Straße. Aber mehr Kontakt gibt es nicht“, berichtet Frank, der seit über 40 Jahren im Stadtteil lebt.

Als seine Frau vor knapp drei Jahren verstarb, war er ganz alleine. Auch beruflich bedingt hatte er keine engeren privaten Kontakte im Stadtteil. Durch Zufall hatte er vom Mittagstisch des StadtTeilLadens in der Zeitung gelesen. „Erstmal bin ich zu Fuß dorthin gelaufen. Aber an dem Tag bin ich auch direkt weitergelaufen. Ich bin nur kurz stehen geblieben und dann schnell weiter. Ich dachte, da kann ich doch nicht rein gehen. Was soll ich denn da machen?“ Aber zwei Tage später fasste Frank neuen Mut und ging nochmal los. An dem Tag ging er auch in den StadtTeilLaden und wurde herzlich in der Gemeinschaft aufgenommen. Seitdem kommt er in der Regel jeden Tag zum Mittagessen. „Hier habe ich auch die alten nachbarschaftlichen Strukturen wiedergefunden, die mir in meinem unmittelbaren Umfeld fehlen. Sogar einen alten Arbeitskollegen, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe, habe ich hier wieder getroffen.“

Besonders schön findet Frank, dass man sich hier gegenseitig hilft. Als er einmal krank war, kochte ihm eine Besucherin des StadtTeilLadens Graupensuppe und brachte sie bei ihm Zuhause vorbei. Frank schwärmt: „Das war eine richtige ausgekochte Suppe! So was kann man nirgendwo kaufen. Und dann geht das ja auch schon viel schneller mit dem Gesundwerden.“

Auf der anderen Seite half er der Dame bei ihrer Spülmaschine. „Sie wollte die schon wegschmeißen. Es ist ja nicht so, dass ich technisch was drauf habe. Aber so Kleinigkeiten kann ich schon reparieren.“

Frank macht mehrfach deutlich, wie wichtig es ist, im Alter Kontakte in der Nachbarschaft oder im näheren Umfeld zu haben. Vor allem, wenn man ganz alleine ist. Wenn einem dann etwas passiert, ist es doch wichtig, dass es Leute gibt, die einen vermissen und sich kümmern. „Direkt in meiner Nachbarschaft habe ich diese Menschen nicht. Aber ich weiß, wenn ich nicht zum Mittag im StadtTeilLaden erscheine, ohne mich abgemeldet zu haben, dann ruft jemand bei mir an und kümmert sich!“


Das Geschichtenbuch ist gegen eine Schutzgebühr von 5 € im StadtTeilLaden Grumme, Ennepestraße 1 in Bochum erhältlich. Telefon: 0234-591214.

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