PATENSCHAFTEN: FLÜCHTLINGSZUSAMMENARBEIT

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Seit Anfang 2015 sind viele Menschen aus den Krisengebieten zu uns gekommen. Das Leben in Deutschland wird vielfältiger und bunter. Wir erleben dies zum einen als eine große Bereicherung und zum anderen als eine große Herausforderung an das Zusammenleben.

Wie gestalten wir dies gemeinsam? Was können wir voneinander lernen?  Welche Regeln und Werte sind im Umgang miteinander unabdingbar?
Für uns gilt: Jeder Mensch – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung oder Identität – ist bei uns willkommen.  

Gegenseitige Wertschätzung und Toleranz sind die Voraussetzungen und die Grundlagen unserer gemeinsamen Aktivitäten.

In unserem Patenschaftsprojekt „Miteinander-Füreinander“, dem Begegnungscafé im StadtTeilLaden oder gemeinsamen Festen und Aktivitäten lernen wir uns gegenseitig kennen und schätzen und gestalten gemeinsam das Zusammenleben.
Wir freuen uns über das große Engagement der Bürgerinnen und Bürger in Bochum, welches wir in den letzten Monaten erfahren.

 

„Miteinander-Füreinander“ Patenschaften mit Geflüchteten

Postkarte Miteinander Füreinander vorn (2)In einem Kooperationsprojekt mit Bochumer Seniorenbüros  vermitteln wir in Form von Patenschaften Kontakte zwischen langjährigen Bochumer_innen und neu hinzugezogenen Menschen mit Fluchterfahrung. Viele Menschen finden seit einigen Wochen ihre Wohnungen bei uns im Stadtteil Grumme und freuen sich darüber, wenn sich „Alt Bochumer_innen“ darum bemühen, die neuen Nachbar_innen willkommen zu heißen. Eine gute Möglichkeit zur ersten Kontaktaufnahme bietet das Begegnungscafé am Donnerstagnachmittag.
Die Patenschaften können ganz individuell gestaltet werden. Egal ob Sie beim deutsch lernen helfen, bei Behördengängen unterstützen oder einfach gemeinsam Zeit verbringen und die neue Heimat erkunden. Gemeinsam sagen wir „Herzlich willkommen in Bochum.“ Gerne können Sie sich bei uns im StadtTeilLaden über weitere Details informieren!

Internationales Begegnungs- und Sprachcafé

FlüchtlingshilfeAuch der Verein Leben im Stadtteil e.V. lebt die Willkommenskultur für und mit Menschen mit Fluchterfahrung, die für den Übergang oder dauerhaft in Bochum ein neues Zuhause finden. Seit Ende des Jahres 2015 bieten ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des StadtTeilLadens ein internationales Begegnungs- und Sprachcafé an. Bei Kaffee und Kuchen werden erste Sprachbarrieren gebrochen und der Kontakt zueinander wird gestärkt.

Mit Unterlagen zum Erlernen der deutschen Sprache, können die ersten, wichtigen Vokabeln vermittelt werden. Wir freuen uns über das große Engagement der Bürgerinnen und Bürger in Bochum, welches wir in den letzten Monaten erfahren und möchten in Zukunft die Flüchtlingszusammenarbeit weiter ausbauen! Das Café findet jeden Donnerstag von 15.30 – 17.30 Uhr statt.

Eindrücke und Erfahrungen

Inzwischen sind aus einigen Begegnungen Kontakte entstanden. Hier sind ein paar unserer ersten Eindrücke und Erfahrungen:

„Der Erstkontakt war im Sprachcafé. Drei Flüchtlinge aus dem Irak, Geschwister, Jesiden aus der Nähe von Mosul. Der ältere Bruder 23 Jahre, Medizinstudent, die Schwester 18 Jahre, Schülerin kurz vor dem Abitur, der jüngere Bruder 14 Jahre, Schüler.
Die Verständigung lief hauptsächlich auf Englisch über den ältesten Bruder. Alle lernen im Camp und im Sprachcafé deutsch. Sie taten mir leid, da es im Camp zwischendurch sicher langweilig sein muss. Darum haben wir sie eingeladen, am Sonntagnachmittag bis zum Abend. Wir holten die drei Geschwister mit dem Auto aus dem Camp ab, anfangs waren wir alle etwas gehemmt , die Unterhaltung auf Englisch schleppend. Zuhause am Kaffeetisch waren wir zunächst unsicher, was wir zu essen anbieten sollen, da offensichtlich zwei verschiedene Kulturen aufeinandertrafen. Ob der Besuch selbstgebackene Waffeln nicht mochte oder zu schüchtern war, um zu essen, wissen wir bis heute nicht. Wir haben die drei Iraker dann mit Fragen überhäuft : woher sie kommen, wie sie dort gelebt haben und wie sie hierhergekommen sind , über ihre Religion und vieles mehr… Je länger das Gespräch dauerte, umso mehr erfuhren wir erschütternde Details über das „normale Leben“ zu Zeiten von Bürgerkrieg und ISIS im Irak. Der Exodus der Jesiden unter der Herrschaft der Islamisten, der Zwang, zum Islam überzutreten oder getötet zu werden. Die Flucht zehntausender Menschen ins Gebirge, der Tod von Tausenden, nur weil sie der „falschen“ Religion angehören. Für uns, in einem Land mit Religions- und Meinungsfreiheit lebend, im wahrsten Sinn des Wortes unvorstellbare Ereignisse.
Beeindruckend, wie einfach Freude bereitet werden kann: unsere Gäste konnten sich in unser WLAN-Netz einloggen und darüber Nachrichten aus der Heimat und Whatsapp-Nachrichten mit den noch im Irak gebliebenen Eltern austauschen. Sie riefen dann im Internet diverse Beiträge auf, die uns bislang unbekannt waren. Beispielsweise die Rede von Nadia Murad , einer jesidischen Aktivistin, die selbst Gefangene der IS war, vor dem UN-Sicherheitsrat.
Es war insgesamt ein sehr kurzweiliger, hochinteressanter und beeindruckender Nachmittag, mit teilweise sehr erschütternden, traurig stimmenden Themen, jedoch, trotz allem, auch überwiegend ausgesprochen fröhlich.
Bis zum gemeinsamen Abendessen später war dann entweder die anfängliche Hemmung überwunden, der Hunger inzwischen so groß oder das unter anderem angebotene arabische Brot ausreichend vertraut, jedenfalls nahmen alle drei Gäste an der Mahlzeit teil, nachdem sie sich zuvor über das bereitgelegte Besteck wunderten und sich auch darüber ein wenig lustig machten und erklärten, dass man bei ihnen zuhause das angebotene Essen ausschließlich mit den Fingern zu sich nehmen würde.
Bevor wir unsere Gäste wieder in ihr „Camp“ zurückbrachten tauschten wir noch unsere Telefonnummern aus um über Whatsapp weiterhin den Kontakt aufrecht zu erhalten, da ja bereits bekannt war, dass sie zwei Tage später nach Dortmund übersiedeln würden. Dort sind sie derzeit wohnungssuchend.“

„Seit Anfang Dezember 2015 betreue ich meist verschiedene Flüchtlinge im Sprachcafé. Ich hätte nicht gedacht, dass mir dies so viel Freude machen würde. Die Flüchtlinge sind sehr diszipliniert und aufmerksam. ich sage immer, jeder deutsche Lehrer hätte seine Freude an so lernwilligen Schülern. Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich lerne dabei viel über ihre Länder und hoffe, noch eine Weile dabei sein zu können.“